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Treffen des traditionellen Shar-Peis in Hongkong
(Jason Wong, Schweiz)
 

Bemerkung:

Als “moderner“ Shar-Pei wird in diesem Bericht der in Europa/USA herkömmlich gezüchtete Shar-Pei bezeichnet. Mit “traditionellen“ Typ (auch Urtyp) wird der vornehmlich in Hongkong gezüchtete hochbeinige, schlanke und elegant wirkende Shar-Pei benannt.

Bereits seit vielen Jahren halte ich engen Kontakt zu verschiedenen Shar-Pei-Züchtern aus Hongkong und beinahe so lange steht mein Versprechen, diese einmal zu besuchen. Leider  liess es meine bisherige berufliche Tätigkeit bis Dato nicht zu und so wurde die Reise von Jahr zu Jahr verschoben. Doch dieses Jahr war es dann endlich soweit – ich reiste für einige Wochen nach Singapore und Vietnam und konnte auf diesem Wege einen Abstecher nach Hongkong einplanen. Noch vor meiner Abreise kontaktierte ich die Züchter  Lee Fuk Wah, Lui Wing Cheong und Matgo Law und teilte diesen mit, wann ich in HK sein werde. Die Vorfreude war auf beiden Seiten sehr gross und so flog ich gespannt Ende Februar 2010 in Richtung Asien los.

Als ersten Züchter traf ich Matgo Law (Bild 1), er war zu diesem Zeitpunkt sehr beschäftigt, trotzdem räumte er mir Platz für einen Besuch ein. Seine Theorie zur Rasse und deren Entwicklung ist stets interessant; auch konnten wir uns gut über die heutige Problematik unserer Rasse unterhalten. Als erstes erwähnte er, dass ihm allgemein die vielen Fellfarben in Europa/USA aufgefallen seien. Früher traf man den Shar-Pei lediglich in den Farbschlägen fawn/rot, schwarz, creme und five point red (Bild 2) an und nur sehr selten tauchte ein Brauner auf. Auch überzeugt es ihn nicht, dass der heutige Brushcoat (BC) oft langes und weiches Fell habe. Damals, als er den Standard für den Shar-Pei schrieb, bezeichnete er einen anderen Typen als BC; der damalige Brushcoat-Typ unterschied sich vom Horsecoat (HC) nur durch leicht abstehendes Fell, der HC-Typ wies anliegendes Fell auf.
Es sei natürlich schön zu sehen, wie der Shar-Pei weltweit so populär geworden sei – meint Matgo – doch fraglich sei es, wie es in der Entwicklung der Rasse weitergehe – viele Züchter streben nach massigen Hunden, was er als Gefährdung für die Gesundheit der Rasse anschaut.

Matgo wurde im September 2009 in die USA zum Richten eingeladen, dort traf er auch einige Leute des American Kennel Club (AKC) Vorstandes. Diese waren sehr an seiner Meinung zur Einteilung des Shar-Peis in die Rassen-Gruppen interessiert – der Shar-Pei wird beim AKC in der Gruppe “Non-Sporting“ geführt. Es wird in Erwägung gezogen, eine neue Rasse-Gruppe (“Nordic Breeds“) beim AKC einzuführen und den Shar-Pei (als auch den Chow-Chow) dieser neuen Gruppe zuzuteilen. Matgo meinte, dass dies eine eher unrealistische Variante sei. Viele AKC-Züchter begrüssten Matgos Meinung doch schlussendlich hatte sich der AKC wohl dazu entschieden, den SP in der bisherigen Gruppe “Non Sporting“ zu belassen.

Anschliessend kamen Matgo und ich auch auf die FCI und deren Rasseeinteilung zu sprechen; diese führt den SP in der Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde und andere Rassen). Ich persönlich bin bei der Rasse-Einteilung des Shar-Pei durch die FCI in die Gruppe 2 nicht ganz einverstanden - der Shar-Pei weist nicht dieselben Eigenschaften wie die Hunde aus der Gruppe 2 auf. Der Shar-Pei sollte meiner Meinung nach in die Gruppe 5 (Hunde vom Urtyp) eingeteilt werden - er ist erwiesenermassen eine sehr alte Hunderasse. Zudem ist der Shar-Pei  ein passionierter und selbständiger Jäger. Viele Jagdhunderassen weisen entweder eine gute Nase (Stöberhunde) oder gute Augen (Sichtjäger) auf - der Shar-Pei verfügt über beides – er ist ein hervorragender Stöber- und Sichtjäger. Würde man nicht zu massige Shar-Pei züchten und sich vermehrt auf seine Eigenschaften (Jäger) konzentrieren so erhielte man arbeits- und leistungsfähige Shar-Pei.

Matgo meinte dazu, dass es immer schwierig sein werde, die Züchter zu einer Meinung zusammen zu bringen – so propagieren aktuell einige Züchter aus Hongkong, dass der Shar-Pei als “Chinese Fighting Dog“ angesehen werden müsse…

Auch sprach ich mit Matgo Themen wie Amyloidosis, Shar-Pei Fieber und Augenprobleme (Entropium) an – es darf nicht verleugnet werden, dass unsere Rasse mit diesen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat. Leider gehört auch das “Tacken“ der Welpenaugen zum Alltag eines Züchters.

Doch Matgo Law äusserte sich nicht weiter darüber; lediglich das enge Züchten (Inzucht) sieht er als Hauptproblem an.

Zum Schluss meinte Matgo noch, dass ich weiterhin den Typ meiner gezüchteten Hündin

“Fuyuan’s Impact of Fire Queen“ verfolgen solle – er habe diese Hündin nicht wahllos von über 70 ausgestellten Hunden an der Slowenischen Clubsiegerschau als Siegerin ausgewählt (Matgo Law wurde 2008 als Richter vom Slowenischen Shar-Pei Club eingeladen). “Fuyuan’s Impact of Fire Queen“ (Bild 3) entspricht mit ihrem nicht zu kräftigen Körperbau, dem fliessenden Gangwerk, der guten Pigmentation und der hervorragenden Fellstruktur dem Typ Shar-Pei, welchen er bevorzuge. Es sei jedoch in der Tat schwierig, solche Hunde zu züchten, denn das benötigte Zuchtmaterial ist wohl rar.

Am gleichen Tag traf ich noch den Züchter Lui Wing Cheong, er wohnt auf der Insel Lamma.

Lui Wing Cheong hatte gerade zwei Würfe im Alter von 5-6 Wochen. Diese Hunde wirkten bereits in ihrem jungen Alter anders als die für mich gewohnten europäischen Shar-Pei Welpen. Die Augenlieder liegen normal an, die Ohren haben eine gesunde Grösse. Um mich besser zu überzeugen, sah ich mir die Welpen und deren Augen noch genauer an – keiner wies “Tacker-Narben“ auf. Es war sehr schön zu sehen, dass es doch noch komplette Shar-Pei Würfe gibt, welche frei von Entropium sind.  Weiter wiesen diese Welpen nur eine geringe Faltenbildung auf; sie wirkten gesund, vital und harmonisch.

Lui Wing Cheong lebte in den 90er Jahren in England; auch er hatte anfänglich den “modernen“ Shar-Pei gezüchtet, doch bald erkannte er, dass diese Hunde mit vielen Problemen behaftet sind. Daraufhin machte er den Versuch, seine bisherigen Hunde mit dem traditionellen Typ Shar-Pei zu kreuzen, doch die Hauptprobleme – die Augen – konnte er nicht eliminieren. Danach konzentrierte er sich nur noch auf den traditionellen Typ. Lui mag den etwas kräftigen Shar-Pei obwohl er den traditionellen Typ züchtet, doch auch der kräftige, traditionelle Shar-Pei weist keinerlei Augenprobleme auf.

Am nächsten Tag nahm ich mir die Zeit, um andere Freunde zutreffen, welche nichts mit Hunden zugange haben. Erstaunlicherweise sah ich auf den Strassen Hongkongs oft Mischlingshunde, welche dem Shar-Pei sehr ähnelten. So frage ich mich, ob der Shar-Pei wirklich so “selten“ ist… (Bild 4+5)

Am darauf folgenden Tag traf ich Herrn Lee Fuk Wah und danach einige weitere Züchter. Lee hält seine Hunde an zwei verschiedenen Orten - als erstes durfte ich drei Hündinnen anschauen. Eine dieser Hündinnen hatte Stehohren; mir fiel gleich auf, dass diese Hündin einen aktiven und munteren Ausdruck aufwies.

Im Gesamten wirkten all` diese Hunde ausgeglichener als die Unsrigen. Anschliessend sah ich mir die restlichen Hunde aus Lees Zucht an – auffallend dabei war, dass Lee wohl die schwarzen Shar-Pei bevorzugt, doch auch ein fawn farbener Welpe und ein “Five Point Red“ Rüde mit Stehohren waren zugegen. (Bild 6)

Alle gezeigten Hunde wiesen ein agiles und freundliches Wesen auf – jeder Hund begrüsste schwanzwedelnd den Besuch (Bild 7). Die ausgewachsenen Tiere sind zwischen 48 cm – 52 cm gross und wirkten gesamthaft hochbeiniger als die europäischen Shar-Pei. Mich beeindruckten Lees Shar-Peis sehr; sie verkörperten einen vitalen, ausgeglichenen und gesunden Hund.

Herr Lee stellte mir einen guten Freund und Shar-Pei Kenner – Herrn Fabian Chung vor. Herr Chung erwies sich bereit, mich am kommenden Tag zu den geplanten Treffen zu fahren.

So wurde ich anschliessend zu einem Jockey-Club gefahren, dort traf ich Herr Nelson Lam (Präsident Hongkong Kennel und Shar-Pei Club), Kevin Steel (Sekretär des Hongkong Kennel und Shar-Pei Club) und Lui Wing Cheong (Bild 8). Während des Lunchs diskutieren wir über die Probleme des Shar-Pei. Ich zeigte den Anwesenden einige Fotos  europäischer SP welche “klassische Probleme“ wie Entropium, Demodex und übermässige Faltenbildung aufwiesen, sowie übertypisierte, maskulin wirkende Hündinnen, massige, schwere und kurzbeinige Tiere. Ich wurde gefragt, warum man sich in Europa auf diesen Typ Shar-Pei konzentriere – die Tiere hätten durch ihre Übertypisierung (zu viele Falten, massiger Körperbau etc) eine verminderte Lebensqualität und Erwartung. Doch diese Entwicklung liesse sich wohl nicht mehr rückgängig machen.

Der SP ist und sollte ein agiler Hund bleiben. Mit Begeisterung erzählt Kevin Steel (Sekretär des Hongkong Kennel und Shar-Pei Club) wie sein Shar-Pei Mäuse jagt – respektive fängt. Der Präsident des Shar-Pei Clubs, Herr Nelson Lam, möchte sich bei Gelegenheit mit der FCI über den Verlust des rassetypischen Shar-Pei unterhalten. Ich war erfreut zu hören, dass man in Hongkong die Problematik erkennt und aktiv werden möchte.

Nach dem Treffen mit dem Vorstand des Shar-Pei-Club Hongkong machten mich Herrn Chung und Lee mit weiteren Züchtern bekannt. Ich hatte diese Züchter bisher noch nicht kennengelernt, doch alsbald entstand eine rege Diskussion über die Zucht des SP. Die Leute, welche sich in Hongkong mit dem Shar-Pei befassen haben alle ein grosses Wissen über die Rasse; doch wurde auch meine Meinung und Argumentation akzeptiert und darauf eingegangen (Bild 9+10).

Mir fiel in Hongkong auf, dass einige Zuchttiere Stehohren aufweisen – ich sprach die Züchter auf diese Eigenheit an (Bild 11). So wurde mir erklärt, dass in Hongkong bereits seit jeher auch Hunde mit Stehohren zur Zucht eingesetzt werden. Ältere Fotos (aus den 50er Jahren) welche auf der Webseite des Hongkong Clubs zu sehen seien belegen dies. Nur Züchter des “modernen“ Shar-Pei (auch Meat Mouth = fleischiger Fang) verwenden keine Stehohren mehr und meiden diese Linien. Weiter wurde mir erklärt, dass keiner der Hongkong Züchter aus “Profit“ züchte – sie alle wollen den traditionellen Shar-Pei erhalten und weiterführen. Das Wissen und die Erfahrung der Hongkong-Züchter lässt es zu, dass sie sich auf ihre Arbeit/Ziele konzentrieren können; sie sind unabhängig von den westlichen Ländern was sich in der aktuellen Lage als positiv erwiesen hat. Natürlich beobachten auch die Hongkong-Züchter die Entwicklung des SP im Westen und sehen bereits seit langem die Verwendung von Farbmutanten (blau/silber, lilac usw) und deren Festigung durch enge Linienzucht als Problematik an. Durch die Konzentration auf die Farbe(n) werden unter Umstände und vermutlich oft au unbeabsichtigt auch Gendefekte und Immunschwächen gefestigt. Es ergibt sich ein Teufelskreis und schlussendlich müssen die Hunde durch eine labile Gesundheit bezahlen.

Hongkong ist sehr klein und so müssen die Züchter immer wieder nach China reisen, um nach geeigneten Zuchttieren zu suchen. Die erwähnten Shar-Peis mit Stehohren kommen aus der Region Da-Let – sie wurden nie wirklich auf einen bestimmten Standard gezüchtet – vielmehr jedoch auf ihre Eigenschaft (Wach- und Jagdhunde für Kleinwild). Durch die Zuführung solcher Tiere gewährleistet der Shar-Pei-Club Hongkong eine genetisch vielfältige Zuchtbasis.

Mit den Stehohren-Exemplaren wird ein Kompromiss zugunsten der Erweiterung des Genpols eingegangen – solange die Tiere im Körperbau dem Standard entsprechen wird über die Stehohren hinweggesehen. 

So stellte ich fest, dass die Zuchtbestimmungen der Hongkong-Züchter sich um Welten von den unsrigen unterscheiden – in Hongkong wird das Ziel – gesunde Shar-Pei – durch genetische Vielfalt verfolgt; in den westlichen Ländern wird lediglich auf das Exterieur (dem Standard möglichst entsprechen) gezüchtet. Die Genetik und deren Verbindung mit der Gesundheit bleiben im Westen gänzlich auf der Strecke.

Die Hongkong-Züchter versuchen gesunde Shar-Pei durch Konzentration auf den traditionellen Typ zu züchten, doch oft sei es nicht leicht, denn auch in China hat sich inzwischen der “moderne“ Shar-Pei verbreitet und sich mit dem traditionellen Typen vermischt. Oft werden die Züchter des traditionellen Typen auch als “Mischlingshunde-Züchter“ belächelt, doch Fakt ist, dass der traditionelle Typ seit jeher gezüchtet werde.

Ich hatte bereits vor Jahren beim Hongkong-Club bezüglich Ahnentafeln gefragt doch leider keine zufriedenstellende Antwort dazu erhalten. So nutzte ich das Treffen mit den SP-Züchtern, um Genaueres zu erfahren. Die Züchter waren diesbezüglich sehr offen – viele Hunde hätten lediglich zwei eingetragene Generationen. Der Grund sei, dass oft die Welpenkäufer ihre Hunde nicht neu registrieren – so müsste der Züchter für etwaige Vorfälle haften. Ohne Ahnentafel umgehe man diese Problematik. Ein weiterer Grund, weshalb nicht grossen Wert auf die Papiere gelegt werde sei, dass an den Ausstellungen meist ausländische Richter eingeladen würden und diesen lediglich der “moderne“ Shar-Pei bekannt sei. So mache es für die Hongkong-Züchter keinen grossen Sinn, Hunde mit Ahnentafel zu züchten.  

Nach meinen Einschätzungen würde jedoch die gezielte Registration der traditionellen Shar-Pei Welpen dazu beitragen, diesen SP-Typen zu fördern. Solange keine gezielte Zucht (sprich Registration der Würfe) stattfindet, wird der Hongkong-Club von der FCI nahezu ignoriert. Durch diese Argumentation stimmten mir die Züchter zu.

Auch fragte ich genauer nach der Tatsache, weshalb der Shar-Pei bei der FCI durch England betreut werde. Warum wurde damals der englische Shar-Pei Standard von der FCI bevorzugt und nicht der Standard aus Hongkong? Herr Lee antwortete mir, dass sich damals ein Fehler in den ihrigen Standard eingeschlichen hätte – die Widerristgrösse des Shar-Pei wurde zu gross eingesetzt. So entschied die FCI sich damals für den englischen Standard und übergab England das Patronat für den Shar-Pei. Nach und nach wich jedoch der englische SP-Standard vom Ursprünglichen ab – der Shar-Pei wurde im Westen immer bulliger und kurzbeiniger gezüchtet.

Das Gespräch mit den Hongkong-Züchtern war für mich sehr aufschlussreich und interessant – ich halte mit diesen nach wie vor guten Kontakt und erhalte von Zeit zu Zeit Informationen über den Stand und Arbeit der Zucht des traditionellen Shar-Peis in Hongkong.

Herr Lee teilte mir noch mit, dass er für den kommenden Tag ein Treffen mit Herrn Wai Kee-Shun organisiert hatte. Herr Wai zählte in den 50er zu den Pionieren in der Shar-Pei Szene und auch der international aktive Shar-Pei Richter Matgo Law nennt Herrn Wai seinen Mentor. Für mich war es eine grosse Ehre, solch` eine Persönlichkeit zu treffen (Bild 12).

So wurde ich am kommenden Tag von Herrn Chung und in Begleitung von Herrn Lee zu Herrn Wai gefahren. Obwohl dieser seit Jahren keine eigenen Shar-Pei mehr besitzt beeindruckte mich sein grosses Wissen über die Rasse und auch kynologisches “Know-How“ sehr. Er gewann in den 50er Jahren mit dem traditionellen Rüden “Eagle Wing“ etliche Ausstellungen und geniesst auch heute noch in Hongkong grosses Ansehen. Herr Wai ist stets behilflich, neue Hunde aufzusuchen und steht den Züchtern mit Rat und Tat zur Seite. Er befasst sich intensiv mit der Entstehung und Entwicklung der Rasse. Herr Wai erzählte mir, dass nach seinen Forschungen die Geschichte des Shar-Pei nicht älter als 500 Jahre sei. Damals gab es in Da-Let eine grosse Zuwanderung aus Sze-Tschuan, welche auch ihre Hunde mitbrachten. Zuvor wird in den Geschichtsbüchern von Da-Let nicht über Shar-Pei ähnliche Hunde berichtet. So sei der Shar-Pei vermutlich doch nicht so alt wie bisher vermutet (Bild 13).

Auch mit Herrn Wai unterhielt ich mich bezüglich der differenten Rasse-Gruppen Einteilungen des SPs durch die Internationalen Kennel Clubs (AKC/FCI) und liess Herrn Wai meine Meinung und Argumentation wissen. Ihm gefiel insbesondere meine Beobachtung, dass der Shar-Pei ein hervorragender Jäger auf Kleinwild (Mäuse/Ratten fangen) ist und dazu Augen und Nase einsetzt. Exakt diesen Faktor inspiriert Herrn Wai dazu, den SP der Gruppe der Terrier zuzuordnen – das Verhalten des Shar-Pei sei mit den Wesensmerkmalen eines Terriers gleichzustellen und in der Tat schien mir diese Sichtweise auch sehr interessant zu sein.

Nach einem interessanten Nachmittag bei Herrn Wai wurde ich von Herrn Chung wieder zum Hotel gefahren. Auf der Rückfahrt fragte mich Lee, was mir insbesondere bei den Besuchen der Züchter hier nun auffiel. Ich meinte, dass die einen Hunde kräftigere Köpfe/Körperbau hatten als andere im selben Zwinger. Herr Lee erklärte mir, dass die schlanken Typen – rein traditionelle SP seien und wohl kaum bellen. Die kräftigeren Exemplare entstanden/entstehen oft durch Beimischung des “Meat Mouth“ und fallen durch ihre Bellfreudigkeit auf.

Mit dem Treffen von Herrn Wai ging meine Besuchszeit in Hongkong und den traditionellen Shar-Pei zu ende. Über die Möglichkeit, Züchter in Hongkong zu besuchen und den traditionellen Shar-Pei besser kennen zu lernen bin ich sehr dankbar – die Reise hat mir gezeigt, dass es ohne übermässige Rassespezifisierung durchwegs möglich ist, gesunde und vitale Shar-Pei zu züchten.

Ich möchte mich an dieser Stelle beim Shar-Pei Club Hongkong – dem Präsidenten Herrn Nelson Lam und dem Sekretär Herr Kevin Steel - für das Treffen und bei Herrn Matgo Law für die aufgebrachte Zeit bedanken.

Weiter gilt mein Dank den Züchtern und Shar-Pei Kenner Lee Fuk Wah, Herrn Wai Kee-Shun, Lui Wing Cheong und W. O. Law . Herr Chung erwies sich als grosse Hilfe in Hongkong und zuverlässiger Fahrer – vielen Dank!
 

Gegenüberstellung traditioneller / moderner Shar-Pei:

Die in Hongkong gesehenen traditionellen Shar-Pei wirken für mich gesunder und vitaler als der in Europa/USA gezüchtete “moderne“ Typ. Alle SPs welche ich in HK angetroffen habe wiesen keinerlei Hautkrankheiten auf, ihre Augen sind natürlich offen; sie vermitteln einen wachen und aufmerksamen Eindruck. Durch den etwas längeren Fang und die ausgesprochen gut ausgebildeten Nasenlöcher wirken die Tiere sehr aktiv.

Der traditionelle SP Typ ist nicht grösser als der “moderne“ Shar-Pei. Im Schnitt sind die traditionellen Typen zwischen 48-52cm gross; sie wirken durch ihren athletischen Körperbau grösser als der “moderne“ Shar-Pei.

Auch die Haut des traditionellen SPs wirkt gesund – bei Verletzungen verläuft der Heilungsprozess ohne Komplikationen.

Beim “modernen“ Shar-Pei muss oft mit einem verminderten und langwierigen Heilungsprozess gerechnet werden – meist schliesst sich die Haut durch überhöhte Mucine rasch ohne vonstatten gegangener Heilungsprozess. Das Risiko eines Abszesses ist dementsprechend hoch und platzt ein solcher Abszess nach einigen Wochen auf bleibt später oft eine kahle Stelle zurück.  

Der traditionelle Shar-Pei weist keinerlei überschüssige Haut/Falten am Sprunggelenk auf (sogen. Socken); die Hunde wirken körperlich belastbar und sportlich.

Durch den bereits erwähnten längeren Fang hat der traditionelle SP weniger Probleme bei der Futteraufnahme; auch die Speichelung bleibt im Gegensatz zum fülligen und immer kürzer gezüchteten Fang des “modernen“ SPs aus.  So hat der kurze Fang des “modernen“ SP auch oft Fehlstellungen des Gebisses (Rückbiss etc) als auch fehlende Zähne zur Folge. 

Die Nasenlöcher des traditionellen SP sind gross und weit wie man es von vielen “Arbeitshunden“ kennt (Bild 14). Die Tiere können besser durch die Nase atmen.

Oft weist der “moderne“ SP lediglich einen Nasenschlitz auf – das Atmen fällt schwerer und so müssen diese Tiere durch den Mund atmen
(Bild 15). So führt das meist hörbare “rasselnde“ Atmen (Röcheln) durch den Mund oft zu Missverständnissen gegenüber Artgenossen, welche das Atemgeräusch nicht oder falsch einordnen. Die Quote gebissener Shar-Pei liegt im Schnitt entsprechend höher und kann durchaus auf das Fehlinterpretieren des Atemgeräusches zurückgeführt werden.

Auch die Ohren des traditionellen Shar-Pei unterscheiden sich gegenüber dem “Modernen“.

Der Gehöreingang des traditionellen Shar-Pei, ob anliegende oder stehende Ohren, ist gut ausgebildet und normal gross (Bild 16).

Beim “modernen“ SP werden möglichst kleine Ohrlappen bevorzugt/gezüchtet – dies rügt wohl daher, dass der Shar-Pei im Ausstellungsring nicht mit den Ohren “spielt“ – spielen kann. Doch durch die Züchtung immer kleinerer Ohrlappen bildet sich auch der Gehöreingang zurück – es entstehen vermehrt Entzündungen des Gehörganges, da durch die Verengung des Gehörganges nur noch eine verminderte Luftzirkul5ation besteht (Bild 17).

Die Dringlichkeit zur Überdenkung der Zuchtziele liegt bei den Züchtern und nicht zuletzt auch in den Händen der Ausstellungsrichter. Würde im Ausstellungsring wieder vermehrt auf die Gesundheit des Shar-Pei geachtet so liessen sich viele rassespezifische Probleme bereits durch die Ernennung eines nicht übertypisierten, vitalen Shar-Pei als Gewinner vermehrt eliminieren. Züchter richten sich nach den von den Richtern ernannten “Champions“ und vertiefen die gesehenen Rassemerkmale wie Faltenbildung, Ohren und Körperbau…  (Bild 18)


Matgo Law und Jason Wong

 

Five-Point-Red Rüde (Bild 2)
Bedeutung: rote Augen, roter Nasenschwamm, rote Ballen, roter Anus und rote Haut.
   

Fuyuan's Impact Of Fire Queen (Bild 3)

Shar-Pei Mix (Bild 4)
   

Shar-Pei Mix (Bild 5)

Traditionelle Shar-Pei Hündin (Bild 6)
   

Junghund traditioneller Shar-Pei 4,5 Monate (Bild 7)


 

Links nach rechts:
Kevin Steel, Lui Wing Cheong, Nelson Lam, Jason Wong, Chung Kwok-Hung (Bild 8)
 

Links nach rechts:
Herr Gu, Herr Lee und Herr Chung (Bild 9)

 

Links nach rechts:
Herr Chung, Jason Wong, herr W.O. Law und Herr Lee (Bild 10)

 

Five-Point-Red Rüde mit Stehohren (Bild 11)

 

links:
Frau und Herr Lee
rechts: Herr Wai K-Shun und Herr Chung K. H. (Bild 12)

Bild 13


Nasenlöcher traditioneller Shar-Pei (Bild 14)
   

Nasenlöcher moderner Shar-Pei/BC (Bild 15)

traditioneller Shar-Peis (Bild16)
   

Brushcoat-Hündin (Bild 17)

traditionelle Shar-Pei Rüde (Bild 18)
   
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Fuyuan's Kennel © 2000-20010 aktualisiert  03. September 2010 [Der traditionelle Shar-Pei]